
oder Die heilige Johanna der Einbauküche von Willy Russel
„Wenn die Kinder aus dem Haus sind, verlasse ich ihn“.
All zu oft hatte Shirley diesen Gedanken schon, doch immer noch tut sie das, was ihr Ehemann Joe von ihr verlangt. Sie serviert ihm sein Essen, sobald er seinen Fuß über die Schwelle setzt Sie ist für die gemeinsamen Kinder da. Und manchmal sagt sie ihm sogar, dass sie ihn liebt.
Ihre Ehe gleicht einem Dienstleistungsverhältnis das ihre bunten Jugendträume wie eine Seifenblase zerplatzt ließ.
Und aus der einst jungen, wilden und mutigen Shirley ist jetzt eine in sich zurückgezogene Frau geworden, die Tag für Tag in der Küche sitzt, funktioniert und über ihr Leben nachdenkt. Es scheint ein Monolog, der im Nichts abprallt.
Und doch schildert Shirley Valentine, eine Mittvierzigerin, lebendig und durchgreifend, unterhaltsam, witzig und nachdenklich zugleich, ihr Leben. Sie zieht Bilanz über eine Vergangenheit voller Enttäuschungen, Einsamkeit und doch -in leisen und stets greifbaren Zwischentönen erzählt- erweitert sie mit Selbstironie, Träume, Komik, Tiefgründigkeit und mit einen Hauch an Naivität zugleich die Enge ihrer Welt. Aus der sie nach und nach auszubrechen versteht und die Lust am Leben wieder entdeckt, als sie die Einladung ihrer Freundin Jane annimmt, mit ihr nach Griechenland zu reisen. Es ist die Geschichte einer Frau auf der Suche nach Glück und sich selbst.
In Willy Russels Erfolgstragikkomödie findet man tagtäglich Menschliches wieder (Menschen sich wieder); nicht nur die allgegenwärtige Auseinandersetzung zwischen Mann und Frau.
Lewis Gilbert verfilmte das Erfolgsstück im Jahre 1989, in den Hauptrollen Pauline Collins, Bernhard Hill und Tom Conti.
Shirley Valentine: Heike Ternes
Bühne: Amelia Franken König
Kostüm: Susanne Staudinger
Regie: Dirk Arlt