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Die Richterin

Das kleine Familienspiel – nach Motiven des Romans von Benno Hurt

Die Richterin ist eine Frau, der das Leben abhandengekommen ist.
Aber sie nimmt am Dasein anderer parasitär teil – von Berufs wegen und durch ihre private Passion, die Fotografie. Sie bewegt sich durch die Welt wie eine Detektivin. Sie entdeckt überall Spuren eines Lebens, das sich ihr entzieht. Und sie sehnt sich nach einer Intensität, die für sie nur in entfremdeter Form zugänglich ist: in den Urteilen, die sie fällt, in den Fotos, die sie heimlich aufnimmt, in den Kostümen und Posen, hinter denen sie sich versteckt. Scheinbar ist diese Frau, die über das Schicksal anderer entscheidet, souverän. Tatsächlich aber sucht sie in der Auseinandersetzung mit Vater und Bruder, aber auch mit zufälligen Passanten nach Bruchstücken ihrer verlorenen Identität.
»Die Richterin« ist das Psychogramm einer zerrissenen Frau. Die Bestandsaufnahme gestörter Beziehungen, zerfallender Familien und einer sich auflösenden Gesellschaft. Ein Spiel über Sehnsucht und Schrecken in der bürgerlichen Welt.

Sehr ernst, sehr psychologisch und auch ein bisschen gespenstisch: Die Theaterfassung von Benno Hurts Roman ›Die Richterin‹ geht an die Nieren.

(MZ)


Mit Unterstützung der Donau-Stiftung