< Zur Übersicht

In die Vollen – Faltsch Wagonis bejubelter Auftritt in der Lach- und Schieß

Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 12.07.2013 Autor: Oliver Hochkeppel Theaterstück: Faltsch Wagoni – Ladies first, Männer Förster.

Das Beim-Wort-Nehmen ist ein alter Kabarett-Trick. Politkabarettisten decouvrieren ihre Opfer oft durch bloßes Zitieren. Sprachspieler arbeiten sowieso mit Gleichklang und semantischer Doppelung. Silvana und Thomas Prosperi alias Faltsch Wagoni aber dürften weit und breit die Einzigen sein, die außer mit Klang und Bedeutung auch mit dem Rhythmus der Sprache ihr Spielchen treiben. Im neuen, in der Lach- und Schießgesellschaft kräftig bejubelten Programm Ladies First, Männer Förster geht dieser Dreiklang von Anfang an in die Vollen: Der Streit ums Nach dir zur überquer geplapperten Begrüßung gibt den verbalen, inhaltlichen und musikalischen Rahmen vor. Es geht um den mit größtmöglicher Haarspalterei ausgetragenen Geschlechterkampf, um die Paar-Problematik auf der Basis, eigenen Erlebens. Jedenfalls ist der Dualismus Frau-Mann hier nicht nur sehr unterhaltsam, sondern mitunter fast lehrreich aufgedröselt. Klischees (eine Lady erhält dieses Attribut nur im Blick des Mannes) werden gerade durchs Ernstnehmen komisch, angefangen beim als running gag wiederkehrenden Oberföster-Syndrom des Mannes, seinem Naturburschentum, Totholz-Bastelliebe und dem auf alle Bereich übertragenem Jagdfieber. Wunderbare Lieder verleihen all dem elegante Form, Songs über Burn-Outs und Too-Muchs, über den Finanz-Mummenschanz und die alles einebnende Themenflut, über nervende Paare und, natürlich am Schluss, über die Liebe. Stets kam einem ein neues Faltsch-Wagoni-Programm besser vor als die früheren, sie sind ja alle unvergleichlich. Diesmal aber ist die These besonders fundiert. Noch nie haben sich die beiden so aufs Wesentliche konzentriert, schon beim Musizieren. Statt dem früheren Instrumentenpark nur Gitarre und Bass-Cajinto, dazu statt Funk-Headsets richtige Mikrofone mit Kabel. Und so locker und perfekt im Timing sah man sie auch noch nicht oft. Frühere Programme wirken aus dieser Sicht wie Übungseinheiten, Liebe macht blond zum Beispiel vie ein Testlauf fürs Paare-Thema. Und so macht sie einen Riesenspaß, die hohe Kunst des Missverstehens und des Zu-Gut-Verstehens, wie sie derart frei assoziiert und in Sound gegossen nur Faltsch Wagoni beherrscht.