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Von der Flickensippe und dem Apparatschick

Quelle: Münchner Abendzeitung vom 12.07.2013 Autor: Mathias Hejny Theaterstück: Faltsch Wagoni – Ladies first, Männer Förster.

Das neue Programm von Faltsch Wagoni in der Lach- und Schieß. Goethe kommt dieses Mal auch vor, denn Goethe verschmähte Rote Bete. Das lässt sich so reizvoll rhythmisch reimen, wie es Silvana und Thomas Prosperi lieben. Mit Beten und Fasten, so steht es im Faust erster Teil, quälte er sich, an Hoffnung reich, im Glauben fest. Von Glaube und Hoffnung einerseits geht es zum Leben nach dem Tode, vom Wurzelgemüse andererseits zu den Heilkräutern. Er träumt davon, als Huflattich wiedergeboren zu werden und sie stichelt wegen der veganen Inkarnation auf deutsch: Fleischlose Fleischwerdung.

Das kreative Eindeutschen von Fremd und Lehnwörtern gehört auch zu den Spezialitäten von Faltsch Wagoni. Dann wird aus dem Smartphone ein Apparatschick und aus der Patchworkfamily die Flickensippe. Schon allein wegen des Titels ihres neuen Programms, das bei der Lach und Schießgesellschaft Premiere feierte, muss man das Münchner Kabarettduo lieb haben: Ladies first, Männer Förster. In dem klugen Nonsens klingt schon viel an von dem, was Frauen und Männer mit und gegeneinander umtreibt, einschließlich des einstigen Fangens von Bären im Walde und gebären in der Höhle. Es geht dabei weniger um den Geschlechterkampf, über den auch auf der Kabarettbühne wohl schon alles gesagt wurde. Das ganz eigene Vergnügen liegt darin, wie es gesagt und ohrwurmverdächtig auch vertont wird. Der Umgang mit Sprache wird hier Kunst, mal politisch erhellend, mal leicht versponnen, auch mal richtig durchgeknallt. Und zwischendurch fragt man sich, warum Faltsch Wagoni noch immer nicht zu den üblichen Verdächtigen auf dem aktuell stark wachsenden Markt der Fernsehsatire gehört.